Gegengerade Festivalrückblick 2026

Erfolgreiche sechste Ausgabe:

Das Gegengerade Fußballfilm- und Kulturfestival Nordwest wächst weiter

Mehr als Fußball: Das Gegengerade Fußballfilm- und Kulturfestival Nordwest fand in Oldenburg zum sechsten Mal vom 3. bis 6. Juni 2026 statt und setzte Zeichen für Vielfalt, Demokratie und Kultur.

Veranstaltet wurde das Festival vom VfB für Alle e.V., dem Fanprojekt Oldenburg, der Oldenburger Faninitiative e.V. sowie Werkstattfilm e.V./KinOLaden.

Gefördert wurde das Festival durch die DFB-Kulturstiftung, die EWE Stiftung, die Regionale Stiftung der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung, die Stadt Oldenburg sowie den Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. (VNB).

Zu den Kooperationspartner*innen zählten Fokus Ukraine e.V., Succade Ultrà Oldenburg, das brasilianische CineFoot International Football Film Festival, die Verlage Delius Klasing und Die Werkstatt, das Zeitspiel-Magazin für Fußball-Zeitgeschichte sowie das Zitronenwerk Fußballarchiv Oldenburg.

Medienpartner war Oldenburg Eins TV & Radio.

Thematische Schwerpunkte

Das Festival verstand sich erneut als Plattform für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Aspekten des Fußballs. Inhaltliche Schwerpunkte 2026 waren:

  • Frauen und FLINTA* im Fußball,
  • Fan- und Hooligankultur in der DDR,
  • Graffiti und Fußballkultur,
  • die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in den USA, Kanada und Mexiko,
  • Nationalismus und politische Instrumentalisierung des Fußballs und
  • Fußball im Kriegsgebiet Ukraine.

Ergänzt wurde das Programm durch eine während der gesamten Festivaldauer gezeigte Ausstellung zu Fußball-Graffiti und Street Art in Oldenburg. Die Ausstellung wurde vom Zitronenwerk Fußballarchiv Oldenburg gemeinsam mit Fans des VfB Oldenburg kuratiert und vor dem Marschwegstadion präsentiert.

Eroffnung

Festivalverlauf

Eröffnung

Das Festival wurde am 3. Juni 2026 im Marschwegstadion eröffnet. Nach der Begrüßung durch die Veranstalter*innen sprach Ulf Prange, Mitglied des Niedersächsischen Landtags, ein Grußwort.

Anschließend wurde der Dokumentarfilm „Ned, Tassot, Yossot …“ der österreichischen Regisseurin Brigitte Weich gezeigt. Der Film begleitet vier ehemalige nordkoreanische Nationalspielerinnen nach dem Ende ihrer aktiven Karriere und bietet seltene Einblicke in das Leben von Leistungssportlerinnen in einem autoritären Staat.

Die Regisseurin war gemeinsam mit der ORF-Journalistin Sabine Nikolay eigens aus Österreich angereist und stand dem Publikum im Anschluss für ein ausführliches Filmgespräch zur Verfügung.

Frauen und FLINTA* im Fußball

Am zweiten Festivaltag wurde mit dem Film „Spielerinnen“ der Berliner Regisseurin Aysun Bademsoy ein weiterer Schwerpunkt gesetzt. Die Langzeitdokumentation begleitet ehemalige Spielerinnen des Vereins BSC Agrispor und ihre Familien über mehrere Jahrzehnte hinweg. Die Regisseurin diskutierte nach der Vorführung mit dem Publikum über Migration, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Teilhabe im Fußball.

Mit dem Vortrag „Mutige Stimmen: Weibliche Fußballfans im Iran“ stellte Farschid Zahedi die Lebensrealitäten von Fußballanhängerinnen im Iran vor. Anhand eigener filmischer und journalistischer Arbeiten zeigte er auf, wie Frauen trotz gesellschaftlicher und politischer Einschränkungen Räume für Teilhabe und Sichtbarkeit schaffen.

Fan- und Hooligankultur in der DDR

Der dritte Festivaltag widmete sich der Fußballkultur in der DDR. Die Dokumentation „Stasi FC“ beleuchtete die politische Einflussnahme auf den ostdeutschen Spitzenfußball und insbesondere die Rolle des BFC Dynamo.

Im Anschluss präsentierte der Autor und Journalist Frank Willmann Auszüge aus seinem Buch „Stadionpartisanen“ und berichtete aus eigener Erfahrung über Fan- und Hooligankultur in den 1980er Jahren. Die anschließende Diskussion zeigte das große Interesse des Publikums an der Verbindung von Fußball-, Alltags- und Zeitgeschichte.

Abgerundet wurde der Themenblock durch die DEFA-Dokumentation „… und freitags in die ,Grüne Hölle‘“, die Fans des 1. FC Union Berlin kurz vor dem Ende der DDR porträtiert.

Fußballkultur, Graffiti und internationale Perspektiven

Der Abschlusstag begann traditionell mit dem Kurzfilm-Brunch, bei dem acht internationale Kurzfilme präsentiert wurden. Besonders hervorzuheben waren zwei Beiträge des brasilianischen Kooperationspartners CineFoot International Football Film Festival.

Parallel dazu veranstaltete die Ultrà-Gruppe Succade einen Graffiti-Workshop auf dem Gelände vor dem Marschwegstadion. Das Angebot wurde von zahlreichen Interessierten genutzt und ergänzte das Festivalprogramm um einen kreativen und partizipativen Baustein.

Mit der Vorführung des Films „Clandestina Mente“ wurde die Verbindung von Fußball, urbaner Kultur und Graffiti-Kunst thematisiert. Der Film dokumentiert die Graffiti-Szene Neapels und ihre Verbindungen zur lokalen Fußballkultur.

Fußball, Politik und Krieg

Der Journalist und Autor Ronny Blaschke referierte über die politische Instrumentalisierung des Fußballs im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Sein Vortrag „Das Spiel der starken Männer – Wie die Fußball-WM den Nationalismus stärkt“ stieß auf großes Interesse und führte zu einer lebhaften Diskussion.

Den Abschluss des inhaltlichen Programms bildete der Vortrag „Fußball im Kriegsgebiet Ukraine“ von Daniel Prüß. Anhand eigener Reisen und Recherchen schilderte er eindrucksvoll die Situation des ukrainischen Fußballs unter den Bedingungen des russischen Angriffskrieges.

Abschluss

Mit der traditionellen Festivalparty im KinOLaden endete das sechste Gegengerade Fußballfilm- und Kulturfestival Nordwest. Gäste, Mitwirkende und Besucher*innen nutzten die Gelegenheit zum Austausch und zum gemeinsamen Ausklang eines intensiven Festivalprogramms.

Party

Fazit

Das sechste Gegengerade Fußballfilm- und Kulturfestival Nordwest konnte die positive Entwicklung der vergangenen Jahre erfolgreich fortsetzen. Die Besucher*innenzahlen stiegen erneut an, zahlreiche Veranstaltungen waren sehr gut besucht und die Diskussionen zeigten das anhaltend große Interesse an gesellschaftlichen Fragestellungen rund um den Fußball.

Mit Brigitte Weich, Sabine Nikolay, Aysun Bademsoy, Frank Willmann, Ronny Blaschke und Daniel Prüß konnten erneut hochkarätige Gäste aus Film, Journalismus, Wissenschaft und Kultur gewonnen werden. Darüber hinaus wurde die internationale Vernetzung des Festivals durch die Zusammenarbeit mit dem brasilianischen CineFoot International Football Film Festival weiter ausgebaut.

Das Festival hat sich damit erneut als bedeutendes Forum für Fußballkultur, gesellschaftspolitische Bildung und kulturellen Austausch im Nordwesten etabliert. Es leistete einen wichtigen Beitrag zur Förderung demokratischer Diskussionskultur und zur Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen im und rund um den Fußball.

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