Vortrag mit Daniel Prüß

Zwischen Leichtigkeit und Luftalarm:

Groundhopping in der von Russland überfallenen

Samstag, 06. Juni 2026
Anpfiff: 18:00 Uhr
Ort: Marschwegstadion

Mehr als vier Jahre nach Beginn des vollumfänglichen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist der Ausnahmezustand längst Alltag geworden:

Während im Osten des Landes ganze Städte zerstört sind und das öffentliche Leben vielerorts zum Erliegen gekommen ist, wirkt der Westen auf den ersten Blick beinahe normal: Cafés sind geöffnet, Kulturveranstaltungen finden statt – und auch das runde Leder rollt.

Doch diese Normalität ist brüchig. Gespielt wird unter besonderen Bedingungen: mit Sicherheitsauflagen, Bunkern und der ständigen Möglichkeit, dass ein Luftalarm das Geschehen unterbricht.

Zwischen August und Oktober 2024 lebte Daniel Prüß als Geschichtsstudent in der westukrainischen Großstadt Lviv. An den arbeitsfreien Wochenenden reiste er durchs Land, um seinem Hobby nachzugehen: Groundhopping. Er besuchte Spiele zwischen erster und fünfter Liga in Regionen, die nicht Frontgebiet sind – und doch vom Krieggeprägt bleiben. Torjubel und Sirenen, scheinbare Leichtigkeit und die Realität nächtlicher Raketenangriffe lagen oft nur Stunden auseinander.

Sein Vortrag ist kein analytischer Blick von außen, sondern ein persönlicher Erfahrungsbericht aus dem Stadionalltag eines Landes im Krieg. Wie fühlt es sich an, nach einer von Raketeneinschlägen zerrissenen Nacht auf der Tribüne zu stehen? Und warum ist eine lebendige Fankultur unter den Bedingungen des Krieges derzeit kaum möglich?

Zwischen Fußballromantik und selbst erlebten Kriegsverbrechen erzählt Daniel Prüß von Begegnungen, Widersprüchen und der Frage, welche Rolle der Fußball in Zeiten existenzieller Bedrohung spielen kann – als Ablenkung, als Widerstand, als Hoffnung

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